Unser Ernie Krause - Schlaglicht 05/2006

Hallo, hier ist Euer Ernie,

endlich wird es langsam wärmer. Und bei mehr Sonnenstunden werden die meisten Bürger auch fröhlicher und optimistischer. Nur den Gartenbesitzern ist es natürlich noch zu kalt für die Jahreszeit, und der Boden ist sowieso zu trocken für die Neusaaten.

Mein roter Schwager jammert natürlich auch, aber aus anderen Gründen. Im September stehen Wahlen an für den Kreistag, den Rat und den Bürgermeister. Das führte bei ihm zur leichten Krise, da er die Kandidaten für die Wahlvorschläge benennen musste.

Er erzählt, dass einige von den langjährigen Ratsmitgliedern nicht mehr weitermachen würden. Da wurde er ganz nervös, weil er Angst hatte, nicht genügend Kandidaten für seine Wahlliste zu finden. Dann fanden sich aber viele neue Leute – und die waren auch noch gut! „Ja, dann freu’ Dich doch“, hat meine Else da zu ihm gesagt.

Aber jetzt wurde er wieder ganz nervös: Ob das wohl bei so vielen starken Kandidaten noch für ihn reichen würde, fragte er uns. Wir haben ihm natürlich gleich versichert, dass wir ihn auf jeden Fall wählen werden, und übten schon ’mal „Kreuze machen“ auf einem Bierdeckel. Da war er nach einer Weile auch schon etwas entspannter.

Das hielt aber nicht lange, wie ich auf seinem Kandidatenfoto gesehen habe. Da guckt er in die Kamera, als ob sein Auto gerade in die Schrottpresse gekommen wäre. Meine Güte, und wer hat ihm nur diese Krawatte umgebunden? Naja, aus einem Esel kann man halt kein Rennpferd machen. Wenigstens sehen die anderen Kandidaten ganz passabel aus.

Hoffentlich reicht es für seinen Trupp bei der Wahl, sonst muss ich ihn danach wochenlang trösten. Lieber würde ich auf seine Kosten mit ihm eine Flasche auf seine neue Mehrheitsfraktion leer machen. Dann müsste ich mir zwar auch sein Gerede wieder fünf Jahre lang anhören, aber immer noch besser als fünf Jahre Gejammer.

Bis demnächst und schöne Grüße
von Eurem Ernie