Eine Bereicherung für unsere Gemeinschaft

 

Mit der Ankunft der Flüchtlinge in unserem Land sind viele neue Aufgaben für alle staatlichen Ebenen verbunden. Die Politik in Hannover, Berlin und Brüssel ringt intensiv um den richtigen Weg in der Flüchtlingspolitik. Fast jeden Tag gibt es neue Vorschläge. Wie sieht es aber vor Ort in der Gemeinde Bomlitz aus?
Dazu haben wir mit unserem Bürgermeister Michael Lebid gesprochen.

Schlaglicht: Herr Lebid, wie viele Flüchtlinge leben zurzeit bei uns in der Gemeinde?

Lebid: Zurzeit leben 82 Menschen aus ganz unterschiedlichen Herkunftsländern bei uns. Nahezu die Hälfte davon sind Kinder und Jugendliche. Die ersten Flüchtlinge verlassen uns aber bereits wieder. Ihr Asylantrag wurde abgelehnt.

Schlaglicht: Gibt es Schwierigkeiten bei der Unterbringung der Menschen?

Lebid: Nein, Probleme gibt es nicht. Wir haben genügend Wohnraum für die Unterbringung der Menschen gefunden. Teilweise sind die Menschen in gemeindeeigenen Immobilien untergebracht, teilweise haben wir Wohnraum angemietet. Uns ist wichtig, dass wir die Unterbringung dezentral, d.h. verteilt in der Gemeinde hinbekommen. So vermeiden wir, dass Konflikte zwischen den Flüchtlingen entstehen.

Schlaglicht: Gibt es deshalb Einschränkungen für die restliche Bevölkerung?

Lebid: Wir mussten keine Turnhallen belegen,wenn Sie das meinen. Alle Angebote und Einrichtungen der Gemeinde bleiben erhalten. Viele Menschen haben die Befürchtungen, dass sich Dinge bei uns durch den Zuzug von Flüchtlingen verändern, zum Schlechteren verändern. Da kann ich jedoch Entwarnung geben. Deutschland ist ein starkes Land. Ich glaube, dass niemand unter dem Zuzug leiden wird. Im Gegenteil: die vielen Menschen werden unsere Gemeinschaft auf Dauer bereichern.

Schlaglicht: Bisher musste man oft den Eindruck gewinnen, dass alles etwas chaotisch abläuft.

Lebid: Da gebe ich Ihnen teilweise Recht. Chaotisch wirkt das politische Ringen nach dem richtigen Weg in dieser Frage. Da gibt es aber leider auch keine einfachen Antworten. Wir müssen den Menschen die vor Krieg und Vertreibung fliehen, helfen und zwar ohne Wenn und Aber! Wir dürfen uns selbst dennoch nicht überlasten. Unser Staat und unsere Einrichtungen waren auf eine solch große Zahl an Flüchtlingen überhaupt nicht vorbereitet. Unsere Aufnahmekapazitäten waren zu gering. Wir hatten zu wenig Personal, die sich kümmern konnten. Man schimpft ja schnell über zu viel Verwaltung. Hier hätten wir mehrgebraucht.

Schlaglicht: Jetzt läuft es besser?

Lebid: Ja. Das Land und auch der Bund haben langsam ihre Anstrengungen erhöht. Bei uns in Bomlitz, das muss man an dieser Stelle sagen, wäre aber ohne unsere Sozialarbeit und vor allem ohne das große Engagement der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer vom „Runden Tisch Asyl“ gar nichts gegangen! Hier muss ich mich ausdrücklich bedanken! Ohne diese Menschen würde nichts funktionieren. Hier ist vor allem Frau Brandes zu nennen, die die Hilfe koordiniert. Wir versuchen jetzt, das Ehrenamt mit angestellten Kräften zu unterstützen. Das ist aber gar nicht so einfach. Es fehlen ausgebildete Kräfte.

Schlaglicht: Was muss aus Ihrer Sicht jetzt noch geschehen?

Lebid:Zunächst müssen die Verfahren schneller laufen. Die Flüchtlinge und die Helfer müssen schnell wissen, ob die zu uns gekommenen Menschen auf Dauer bei uns bleiben können, oder ob ihr Antrag abgelehnt wird. Dann brauchen wir nicht immer neue Asylpakete, sondern Integrationspakete. Wir müssen die Menschen vor Ort in unsere Gemeinschaft integrieren. Auch hier nimmt das Ehrenamt eine wichtige Rolle ein. Aber auch unsere Kindergärten und Schulen. Die Kinder lernen unsere Sprache am schnellsten. Das verlangt viel von unseren Erzieherinnen und Erziehern aber auch von Lehrerinnen und Lehrern ab. Auch die Erwachsenen müssen unsere Sprache lernen, damit sie arbeiten oder eine Ausbildung machen können. Dazu gibt es bereits Angebote. Bei den einen wird es schneller gehen, bei anderen wird es länger dauern. Unser Ziel muss es aber sein, dass alle Menschen die zu uns kommen ein selbstbestimmtes Leben ohne staatliche Unterstützung führen können. Ich denke auch, dass wir das mit vielen hinbekommen werden.

Schlaglicht: Herr Bürgermeister, vielen Dank für das Gespräch.

 


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